Propädeutikum 2014

Ein Stein. Ein Name. Ein Mensch.

Verlegung von Stolpersteinen in der Pirnaischen Vorstadt in Dresden

Eine kleine Gruppe von Frauen, eine Dozentin und einige Studierende der Evangelischen Hochschule sammeln sich vor der Rietschelstraße 19. Gelb-rote Blätter von Bäumen liegen auf dem Asphalt. Es ist Herbst, der 11. September. Es ist nicht still. Leise Fetzen von Gesprächen sind zu hören. Ein Mann mit Klarinette und eine Frau mit Cello warten neben uns. Sie tauschen ein paar Worte miteinander und beginnen zu spielen. Plötzlich wird es still. Passanten werden auf die Melodien aufmerksam und bleiben bei uns stehen. Äußerst aufmerksam widmen sich alle der Musik. Sie sind bei sich selbst. Woran denken sie in diesem besonderen Moment, an diesem Tag? Hier werden Steine verlegt. Es sind Stolpersteine, kleine Gedenktafeln, die uns hier an die Dresdner Opfer des Nazi-Regimes erinnern.

Die Musik hört auf. Allmählich kommen all die Menschen an, die dieses feierliche Ereignis begleiten und an ihm teilhaben möchten: Angehörige der Opfer reisten aus dem ganzen Land und anderen Kontinenten nach Dresden an, um ihre Familiengeschichten zu erzählen. Mitglieder bzw. Mitwirkende des Vereins Stolpersteine für Dresden e.V. und weitere Dozierende der ehs sind präsent.

Es werden vier goldene Stolpersteine verlegt. Sie stehen für Owadie Leib, Chane, Malka Lea und Chaskel Kurt Zwecher. Ein Mann steht neben dem kleinen Denkmal. Er heißt Yonatan Zwecher und beginnt die Familiengeschichte, seine Geschichte zu erzählen. Die Familie stammt aus der heutigen Ostukraine und dem heutigen Polen. Seit 1911 lebten und arbeiteten sie in Dresden bis sie am 28. Oktober 1938 nach Zb?szy? (heute Polen) abgeschoben wurden. Nur Chaskel Kurt Zwecher konnte 1939 nach Israel ausreisen. Dort gründete er seine eigene Familie. Von seinen Eltern und Geschwistern hörte er nie mehr wieder.

Ich weiß nicht, wie es sich anfühlt aus einer Familie zu stammen, die auf Grund ihrer Religionszugehörigkeit verfolgt wurde. Ich bin nicht betroffen. Jedoch bin ich berührt. In diesem Moment frage ich mich, welche Bedeutung die Vergangenheit in meinem Leben hat. Wie behandele ich das Vergangene? Geht das, nicht gewollte Geschehnisse aus dem Gedächtnis zu löschen oder sie zu verdrängen? Gestern zur Feierstunde hatte ich bereits vom Schicksal der Familie Zwecher gehört. Auch andere Geschichten wurden in der Jüdischen Gemeinde erzählt. Wie lange bleiben sie in Erinnerung? Wie oft müssen sie noch erzählt und weitererzählt werden? Es waren viele bei  der Feierstunde da. Gut, dass Menschen bereit waren und sind zu hören und zu verstehen.

Es ist still. Yonatan legt eine Rose zu den Stolpersteinen. Viele folgen ihm. Es freut mich, dass viele da waren und zugehört haben. Jetzt liegen gelbe und rote Blumen da. 

von Dóra Szalai

Herzlich Willkommen an Bord!

Herzlich Willkommen an Bord des Dampfschiffes! Herzlich Willkommen an Bord der EHS Dresden! Wie schön und wie toll ist das! Alle haben ganz viele Erwartungen und Wünsche, ob sich die erfüllen? Na, habt ihr auch eure Tickets? Prima! Jetzt geht es los.

Zuerst setzen wir uns ganz gemütlich alle zusammen und sofort kommen die Gespräche. Ab und zu wechseln wir unsere Plätze und finden einen neuen Gesprächspartner, um uns etwas Schönes zu erzählen oder die Seilbahn und den Fahrradweg der Elbe entlang nach Pirna zu entdecken. Die drei Schlösser (Schloss Albrechtsberg, Lingnerschloss und Schloss Eckberg) locken Natalia und Irene sofort auf die Terrasse unseres Schiffes. Es ist kälter und windiger geworden und Geny mag das gar nicht. Aber das hält nicht lange an, weil wir schon wieder etwas Neues sehen. Wie zum Beispiel die schönen Villen, die uns faszinieren und die die Umgebung Dresdens noch schöner machen oder die Brücken, die ganz unterschiedlich sind (modern und klassisch). Wir entspannen uns und genießen die wunderschöne Aussicht auf beiden Seiten der Elbe, wie wir es uns vor dem Ausflug gewünscht hatten.

Halt! Jetzt steigen wir alle aus. Sofort fällt uns auf, warum alle Leute nach Pillnitz fahren. Das Schloss und der Park haben uns schon von draußen erobert. Können Sie sich vorstellen, was man in der Residenz des Königs August des Starken von Sachsen alles machen kann? Natürlich zuerst die Gäste zum Kaffee einladen. Kurz zeigt uns Franza Else die Chocolaterie, wo wir echte heiße Schokolade trinken können. Dabei schaut unsere Gruppe noch in den Fliederhof, das Antiquariat und die Glasbläserei. Nach der heißen Schokolade wurde das Speed-Dating-Spiel gespielt. Durch dieses Spiel haben wir viel voneinander gelernt und sind uns noch näher gekommen.

Achtung! Die Exkursion fängt an. Theresa hat erwartet, dass es eine interessante Führung geben wird. Als Überraschung kommt der Vater von Franza Else, Matthias, der im Antiquariat in Pillnitz arbeitet. Es ist toll und besonders interessant, die schönen Geschichten und Legenden des Schlosses und Parks von ihm zu hören. Als wir eintreten, ist nicht nur Rebekka sondern sind alle begeistert. Das schöne Wasserpalais und Bergpalais aus der Zeit August des Starken, das als Sommerresidenz im XVII. Jahrhundert gedient hat. Jetzt werden die Räume (damals Gemächer genannt) für Ausstellungen genutzt. Sofort kommen uns faszinierende Frauen und Männer vom königlichen Hof in den Kopf. Wir sind schon bereit mitzutanzen und mitzufeiern.

Für Dora war es sehr wichtig, die schöne Landschaft zu sehen. Irene, Theresa und Franza Else haben auch tolle Aussichten erwartet. Was kam noch? Eine rote Buche, in der jeder von uns seinen Platz finden konnte, um sich zu verstecken.  Matthias bringt uns eine frische Brise aus Frankreich. Die Maillebahn mit den Heckengärten erinnert uns an Versailles. In den Büschen um die Ecke findet man eine Tritonengondel, die damals schon eine Heizung hatte. War es das? Nein, die Führung geht weiter. Wir fühlen die romantische Atmosphäre, sehen die gebogenen Wege und Laubbäume im Englischen Garten. Die Landschaft ändert sich. Hatte der König einen Arzt gerufen? Oder einen Maler oder einen Schriftsteller? Das war nur so eine Geschichte. Diese Person wurde vom König extra aus dem Bergpalais gerufen und er war sowohl Arzt als auch Maler und Schriftsteller. Als wir von der Orangerie zum Kamelienbaum gingen, haben wir endlich die Sonnenstrahlen erwischt. Sie haben uns begrüßt und sind dann wieder weggelaufen. Langsam geht die Geschichte zu Ende. Die Freitreppe mit den Hochwassermarkierungen und der Vogelschutzinsel ziehen vorbei. Wir verabschieden uns von Matthias und fahren zurück.

Jeder hat für sich selbst viele neue Sachen entdeckt, viele Fragen gestellt. Die Zeit des Ausflugs ist so schnell vergangen, dass wir es gar nicht gemerkt haben. Es wurde gelacht, gespielt. Für die, die hier noch nicht waren, sind das schöne Erinnerungen, für andere ist es eine Auffrischung der Erinnerung. Das ist ein guter Start für uns, die neuen Studierenden der EHS. In der Tasche steckt das Ticket – unser Studentenausweis – mit dem wir ganz viele Reisen an Bord der EHS unternehmen können.

von Nataliia Bukhtiarova

Ausflug nach Meißen

Mit vollem Rucksack habe ich meinen Weg in Richtung Bahnhof Neustadt genommen. Da das Wetter nicht das schönste war, wusste ich noch nicht, ob die Fahrt Richtung Sächsische Schweiz oder nach Meißen gehen würde. Bald rief mich aber Uta an und wir haben uns entschlossen, schließlich nach Meißen zu fahren. Ich war aufgeregt und freute mich schon auf unsere kleine Reise. Am Bahnhof haben wir uns mit den anderen getroffen und Simon ist tatsächlich in der letzten Minute in den Zug gesprungen. Während der Fahrt haben wir ein Spiel gespielt, was unser Zeitgefühl völlig weggenommen hat. In kurzer Zeit waren wir am Ziel. Es nieselte ein wenig, doch irgendwie passte es zur Aussicht.

Meißen, benannt nach dem Bächlein Meisa, ist die Kreisstadt des gleichnamigen Landkreises im Freistaat Sachsen. Es hat knapp 28.000 Einwohner und trägt den Status Große Kreisstadt. International berühmt ist die Stadt Meißen für die Herstellung des Meißner Porzellans, das als erstes europäisches Porzellan seit 1708 hergestellt wird. Der Name der Stadt mit Doppel-s ("Meissen") ist ein eingetragenes Markenzeichen der Staatlichen Porzellanmanufaktur Meissen. Zuerst machten wir ein Spaziergang und schauten uns die Stadt an. Es war bezaubernd, überall kleine Häuser, die Straßen wurden aus alten Steinen gebaut und viel Grün bestimmte die Aussicht. Vor den kleinen Läden mussten wir immer stehen bleiben, um die handgefertigten Werke anzuschauen.

Schließlich sind wir an unserem Zielpunkt angekommen, zur Albrechtsburg. Uta hatte die Eintrittskarten gekauft und wir hatten zwei Stunden, um alles zu besichtigen. Hoch über dem malerischen Elbtal erhebt sich die spätgotische Albrechtsburg. Im 15. Jahrhundert erbaut, gilt die Albrechtsburg Meissen als das älteste Schloss Deutschlands. Ich konnte mich in den Vergangenheit einfühlen und fühlte mich wie die Herrin des Hauses. Ich stellte mir vor, dass ich da lebe und die ganze Burg mir gehören würde. Alles war riesig und wunderschön. Zu jedem Raum bekamen wir ausreichend Informationen, so war es nicht schwierig zu verstehen, wie das Leben damals war. Als unsere Zeit vorbei war, suchten wir uns einen gemütlichen Ort zum Picknicken. Doch das Wetter war nicht so optimal, alles war feucht und nass. So haben wir uns entschlossen, das Picknick im Zug zu machen. Ich hatte das Gefühl, dass alle sich wunderbar gefühlt haben, und wir waren dankbar, dass ehs international uns die Möglichkeit gegeben hat, Meißen zu besuchen. Ich würde jederzeit gerne zurückkehren.

von Rebeka Kürti

Exkursion zum Christlichen Hospizdienst Dresden e.V.

Am Mittwoch, den 10. September, hatten wir, die neuen internationalen Studierenden der EHS Dresden, einen ganz besonderen Punkt in unserem Programm – einen Besuch beim Christlichen Hospizdienst.

Obwohl unsere Tutorin Franza Else, die dort ein Praktikum gemacht hat, uns kurz über die Einrichtung und ihre Tätigkeiten erzählt hat, haben wir noch nicht richtig verstanden, was uns erwartet. Und sogar nachdem uns Herr Ullrich, der Leiter des Hospizdienstes, freundlich in einem hellen Zimmer, das sehr an einen Kindergartenraum erinnerte, begrüßte, hatten wir noch  keine Ahnung, wovon unser Gespräch handeln würde. Erst als wir uns umgesehen haben, die Zettel  an den Wänden und die Kinderbücher gelesen haben, wurde es uns klar, es wird sehr ernst sein. Und sehr emotional!

Herr Ullrich hat uns viele Fragen gestellt und viele Antworten gegeben. Warum haben wir Angst vor dem Tod? Wie es ist, einen engen Menschen zu verlieren? Wie es ist, selbst nicht mehr die Kraft zu haben? Was bleibt einem am Ende übrig? Jeder von uns sollte auf fünf Zettel schreiben, auf jedem etwas Besonderes, etwas sehr Persönliches: Ein Gegenstand, der uns sehr wichtig ist; eine Fähigkeit, die wir an uns schätzen; eine Hoffnung, die wir haben; eine für uns sehr besondere Person und eine Person, mit der wir uns versöhnen möchten. Am Anfang sah es noch wie ein unschuldiges Spiel aus. Doch als Herr Ullrich uns die Zettel wegnahm, einen nach dem anderen,  kam allmählich das Verstehen, dass es wie im richtigen Leben ist. Mit nur einem Unterschied. Tod und Krankheiten fragen nicht, was oder wen nehmen... Sie kennen keine Gnade.

Es wurde sehr still im Zimmer, jeder hat sich in seine Gedanken vertieft. Doch dann kamen die Fragen. Wie wird die Arbeit des Hospizdienstes organisiert? Wer arbeitet dort mit? Warum sind keine Patienten da? Herr Ullrich hat uns erzählt, dass die Einrichtung ambulant sei, die Ehrenamtlichen besuchen die Patienten zu Hause, führen mit ihnen und ihren Angehörigen Gespräche und unterstützen sie bis zur letzten Sekunde. Sie fragen nicht, wie es dem Menschen geht, sie zeigen nicht ihr Mitleid. Sie hören zu, sie machen Komplimente, sie reden über gesunde Dinge, sie bieten ein Stück Normalität genau dann an, wann es am Wichtigsten ist. Es wird nicht übers Sterben gesprochen, es wird immer mitgelebt.

Unser Gespräch ist zu Ende. In ein paar Minuten treffen sich hier trauernde Kinder. Für sie ist das Zimmer so schön eingerichtet. Immer noch grübelnd verlassen wir den Hospizdienst. Dieses Treffen hat jeden berührt. Und vielleicht auch ein Stück verändert. 

 von Natalia Ponomarova

Abendessen in einer Studenten- WG

Das Propädeutikum nähert sich dem Ende zu. Im Laufe der vergangenen zehn Tage haben wir, Dóra, Natalia, Natalia, Rebeka und ich neben dem Intensivkurs für wissenschaftliches Arbeiten/Deutsch als Fremdsprache sehr viele, tolle, spannende und interessante Exkursionen und Ausflüge gemacht. Unklar und zugleich geheimnisvoll klang der Programmpunkt: Mittwoch 17.09.2014 gemeinsames Abendbrot in einer Studierenden-WG. Wir haben nicht gemeinsam gerätselt, doch jede von uns hat sich mehrmals gefragt, wer uns beherbergen und bewirten würde. Am Tag vor der Lösung des Rätsels hat uns ein Vögelchen gezwitschert, dass Simon uns zu sich nach Hause einlädt. Am Mittwoch hat niemand Simon gesehen, doch wir haben immer wieder gehört, er sei beim Kochen und um 19 Uhr war es so weit. Dóra und ich haben uns  sehr gewundert, dass ein Mann einen ganzen Tag kocht und waren sehr gespannt. Natalia war der erste Gast. Bald darauf sind Nataliia und Rebeka über das Fenster eingetroffen. Zusammen mit Simons Mitbewohner haben sie mit dem Essen begonnen. Ich habe mich während des Essens dazugesellt und Dóra ist pünktlich für die Nachspeise gekommen. Freunde einer Mitbewohnerin von Simon, die auf WG-Suche sind, haben einen gelungenen Beitrag zum geselligen Abend geleistet.

Zu Essen gab es zwei Zwiebelkuchen mit Gurkensalat als Beilage. Das Essen war von einem halbfetten Wein begleitet. Als Nachspeise gab es Bananen in einer Jogurt-Quark-und-Milch-Soße. Nach dem köstlichen Essen ging es in Simons Zimmer. Natalia und Theresa versuchten Simon und Nataliia beim Calcettospiel zu schlagen, leider erfolglos. Natalia und ich  versuchten es im Laufe des Abends erneut gegen Rebeka und Simon, doch wir hatten keine Chance. Wir  verloren zwei Mal 3 zu 9, das soll gesagt werden. Im Hintergrund ertönte Musik und das Fußballspiel Bayern München  gegen Manchester City sorgte für manche Interjektionen von Simon. Eine weitere Pointe des unterhaltsamen Abends war der Versuch, eine Mücke zu zerdrücken, das Ergebnis soll allerdings unter den Teilnehmern des Abends bleiben. Die Studentinnen haben sich mit einem kleinen Geschenk bedankt und haben sich auf den Heimweg gemacht.

von Theresa Tognotti

Gerede e.V. 

Die Tutorin Wiebke hat für die Teilnehmerinnen des Propädeutikums einen Termin im Gerede e.V. vereinbart. Zusammen mit Geni und Sasha haben sie sich vor dem Gerede getroffen. Einer der zwei Angestellten haben das Gerede e.V. vorgestellt. Gerede – homo, bi und trans gibt es in Dresden seit 1989. Die Hauptthemen sind Begegnung, Beratung, Bildung und Kultur.

15 verschiedene Gruppen treffen sich in unterschiedlichen Abständen, um beisammen zu sein und zu reden. Die Größe der Gruppe,  die Selbstständigkeit, das Alter und der Treffpunkt der Gruppe variieren. Der christliche Stammtisch und die Queerkids bilden die größten Gruppen, während die Laufgruppe die kleinste Gruppe mit vier Mitgliedern ist. Die she*talk Gruppe trifft sich wöchentlich, im Gegensatz zur Queerkids-Gruppe, die sich monatlich trifft. Der christliche Stammtisch ist eine sehr aktive Gruppe; auch nach außen. Die transID-Gruppe ist eine Selbsthilfegruppe. Die Räumlichkeiten sind aufgrund der geringen Fördergelder sehr klein und so kommt es, dass sich manche Gruppen auch außerhalb des Gerede e.V. treffen. Die Gruppe 50+ ist autonom und trifft sich außerhalb des Geredes.

Die Bildung erfolgt landesweit in Form von Fortbildungen für alle Menschen, die mit Menschen arbeiten, sowie Lehrern und Sozialarbeitern. Bekannt ist das Aufklärungsprojekt „LiebesLeben“ an Schulen, das 50 bis 60 Mal im Jahr auf Anfrage der Schulen und Bereitschaft der ehrenamtlichen Mitarbeiter stattfindet. Im Bereich Kultur gibt es mehrere Veranstaltungen und Dokumentationen. Eine weltweit unternommene Veranstaltung ist der Christopher Street Day, der heuer am 13. September in Dresden stattfand.

Nach der Vorstellung der Arbeit des Geredes wurden die Internationalen Studierenden aus Ungarn, der Ukraine und Italien gefragt, wie bei ihnen mit Homo-, Bi- und Transexualität umgegangen wird. Südtirol hat einen Verein namens „Centaurus“ und eine lokale Tageszeitung veröffentlicht immer wieder Artikel zum Thema. Die im Sommer stattgefundene Eheschließung des alten Präsidenten des „Centaurus“ hat bei der Tageszeitung auf der Titelseite ihren Platz gefunden und weitere zwei Seiten im inneren Teil der Zeitung. Weiterhin bleibt dieses Thema in Südtirol ein heikles Thema. In Ungarn gibt es keine Gesetze die homosexuelle Paare gleichstellen. In der Ukraine gehört dieses Thema noch zu einem Tabuthema.

von Theresa Tognotti

Das beste kommt zum Schluss

Am Ende der ersten Woche des Propädeutikums haben wir, die Teilnehmerinnen Natalia, Nataliia, Dóra, Rebeka und ich  an zwei aufeinender folgenden Abenden das Theater „Kleines Haus“ in der  Neustadt besucht. Samstags wurden sie von der Tutorin Franza Else, dem Tutor Simon (mit Begleitung), der Studentin Inessa der Organisatorin Irene (mit Begleitung) und der Dozentin Susanne, zur Premiere „Wir sind keine Barbaren“ von Philipp Löhle begleitet.

Zur Erklärung des Titels: Wir sind die weißen Mitteleuropäer. Der Begriff Barbaren steht für jene, die in der Antike gegen das heilige Gastrecht verstießen.

Zur Handlung: Das mitteleuropäische Paar Mario und Barbara bekommen neue Nachbarn: Sara und Paul. Sie nähern sich an und nutzen die Nachbarn vor allem zum Abgleich und zur Bestimmung der eigenen Position (aus dem Programmheft „Wir sind keine Barbaren“, S.6). Alles klappt wunderbar bis ein Ausländer, den das Publikum nie zu Gesicht bekommt, an die Türen klopft und um Asyl ansucht. „Die Begegnung mit dem Ausländer, den die Schauspieler nicht genau beschreiben können, löst bei den vier Wohlstandbürgern Abwehr und Schuldgefühle oder erotische Sehnsüchte aus.” Die Schauspieler beschreiben den Ausländer nicht genauer, weil sie seine Herkunft und sein Aussehen offen lassen möchten, um diese Geschichte an jeden Ausländer anzupassen. Der Zuschauer soll mit diesem Stück über seine Haltung zu Menschen mit Migrationshintergrund  reflektieren. Der Autor will keine Schuldgefühle erwecken, „weil man wohlhabend ist und in Sicherheit lebt. Unangemessen ist nur die Gleichgültigkeit“ (aus S.7)

Am Sonntag, haben sich Nataliia, Dóra, Rebeka, Inessa und Simon wieder vor dem Theater „Kleines Haus 1“ getroffen, um das Theaterstück „Tschick“ nach dem Roman von Wolfgang Herrndorf anzusehen.  Der Roman wurde 2011 mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis und dem Clemens-Brentano-Preis ausgezeichnet. Die Premiere dieses Stückes fand in Dresden im Staatsschauspiel im Dezember 2011 statt.

Das Stück handelt vom Sommer, den  der 14jährige Maik mit Tschick verbracht hat. Maik  ist nicht in der Klasse integriert und kommt aus einem wohlhabenden, aber problematischen Elternhaus: Sein Vater hat eine Geliebte, die Mutter ist Alkoholikerin. Maik und Tschick fahren durch Deutschland und machen dort seltsame und trostvolle Begegnungen. Am bedeutsamsten ist für Maik die Begegnung mit Isa, in die er sich verliebt und von der er am Ende einen Brief bekommt.

Das Stück hat in einer einfachen und lustigen Art und Weise die Probleme des Erwachsenwerdens gespiegelt, aber auch die Ideen, Wünsche und Triebe, die man als Jugendlicher hat. Im Laufe des Stückes wird von der anfänglichen Gleichgültigkeit zwischen Maik und Tschick eine Freundschaft, die sogar einem gerichtlichen Urteil standhält. Das Fazit könnte sein: Jugendliche haben unüberlegte Ideen im Kopf wie Kleinkinder, doch wenn es um Werte und Moral geht, haben sie die Courage dazu zu stehen, als wären sie Erwachsene.

Als wäre das Stück nicht schon witzig genug gewesen, hat der Hauptdarsteller Benjamin Pauquet, in der Rolle von Maik, den Text vergessen und konnte auch mit Hilfe der Souffleuse den roten Faden nicht wiederfinden. Er hat sich beim Publikum entschuldigt und den Text vorgelesen. Kurz darauf hatten die Hauptdarsteller Benjamin Pauquet und Sembastian Wendelin, in der Rolle von Tschick, einen ansteckenden Lachanfall und so lachte der ganze Saal. Unserer Gruppe, und vermutlich vielen anderen Zuschauern, war nicht mehr klar, ob die Schauspieler den originalen Text des Schauspieles vortrugen oder ihn spontan uminterpretierten. Eine Antwort auf diese Frage ist nicht wichtig, denn wichtiger ist, dass wir den Abend sehr genossen haben und richtig Lust auf noch mehr Theater bekommen haben!

von Theresa Tognotti

Ein paar Eindrücke des Propädeutikums 2014