Wissenschaftliches Arbeiten/Deutsch als Fremdsprache

Anschließend an das Propädeutikum wird während des 1. Studienjahres im Studium Generale das Seminar „Wissenschaftliches Arbeiten/Deutsch als Fremdsprache“ angeboten. Bei diesem Seminar arbeiten Studierende mit einer Dozentin anhand von fachrelevantem Material an Themen zum Wissenschaftlichen Arbeiten speziell in der Fremdsprache Deutsch.

Hier ein Bericht über eine besondere Seminareinheit im Hygienemuseum.

Museumstag am 11.Dezember 2013

Wenn wir als Leser in eine gut erzählte Geschichte eintauchen, überlassen wir uns als Rezipienten den Erlebnissen, die der Autor uns wie ein Hypnotiseur suggeriert. Warum aber lassen wir uns so gerne in künstlich gestaltete Räume entführen und was geschieht in diesem Augenblick mit uns?

Aus verschiedenen Gründen gehen die Leute ins Museum; unabhängig von der Ausstellung. Um etwas Neues zu verstehen, um etwas aufzufrischen, was sie früher gelernt haben oder weil sie etwas mit fremden Leuten gemeinsam erleben möchten. Schüler haben meistens keine Auswahl, der Inhalt der Veranstaltung entspricht oft dem Lehrplan.

Während einige im Museum sind, weil es schade wäre, einen Ausflug mit den Kommilitonen zu verpassen, sind andere bei der Ausstellung, weil sie sich als Veranstaltung an Neugierige richtet. Menschen besuchen Museen und vermuten meist gar nicht, dass sich seelische und geistige Stimulation jedenfalls günstig auf das Hormon- und Immunsystem auswirkt - die Schönen Künste können nicht nur Schreikrämpfe auslösen, sondern auch die Seele erfreuen.

Einen Impuls von Susanne folgend, waren wir bereit, ein Museumsabenteuer (wieder) zu erleben. Für uns als Teilnehmer des Kurses „Deutsch als Fremdsprache/ Wissenschaftliches Arbeiten“ war es auch eine Möglichkeit, unser Deutsch zu verbessern, uns in einem ungewöhnlichen Rahmen zu treffen und unsere Kommunikationskompetenz zu erweitern. Die Wartezeit im Foyer war nicht umsonst: Die Geschichte des Deutschen Hygiene-Museums (DHMD) wurde von Susanne anhand von Fotos hergeleitet. Nebenbei haben wir gelernt, dass der Erfinder des Mundwassers auch ein Dresdner war. Und ich war sehr überrascht, als ich gehört habe, dass der erste BH auch aus der Hauptstadt Sachsens kommt. Aber das ist eine andere Geschichte.

Im DHMD haben wir die Dauerstellung „Abenteuer Mensch“ besichtigt. Die besteht aus sieben Abteilungen und zwar: „Der gläserne Mensch“, „Leben und Sterben“, „Essen und Trinken“, „Sexualität“, „Erinnern“, „Denken“, „Essen“, „Bewegung“ und „Schönheit, Haut und Haar“. Das ist sehr interessant und man braucht sich nicht zu wundern, weshalb dort so viele Besucher von klein bis alt waren, obwohl es früh an einem Arbeitstag war. Allein das Thema ist spannend. Wir wissen nicht besonders viel über unseren Körper, obwohl wir alle in der Schule Anatomie gelernt haben.

Besonders an diesem Museum ist, dass man an die „5 Sinne“ appelliert. Um Information zu vermitteln, kann man nicht nur lesen und beobachten, sondern auch hören, anfassen, riechen, wahrnehmen und sich bewegen (Interaktion mit einigen Exponaten). Alle Objekte in der Ausstellung sind nicht zufällig da. Jedes ist wichtig und hat eine besondere Mission und sie alle stehen miteinander in Beziehung.

Wir gingen noch einen Schritt weiter: Nach der Besichtigung sollten wir einen selbst gewählten Raum präsentieren. „Die Ausstellung als Nachricht, wie ich sie verstanden habe“ könnte unsere Führung heißen. Um die Nachricht korrekt wiedergeben zu können, lohnt es sich, ihre Anatomie zu hinterfragen. Dafür haben wir das „4-Seiten-Modell“ nach Friedemann Schulz von Thun benutzt („Anatomie der Nachricht“, in: ders. (1981): Miteinander Reden, Störungen, und Erklärungen. S. 25-43.)

Angesichts der Zeitbeschränkung haben wir nur drei Objekte gewählt, um anhand des „4-Seiten-Models“ eine eigene Führung in einem für uns besonders interessanten Raum durchzuführen. Alex hat eine Nachricht des Raums „Leben und Tod“ folgendermaßen interpretiert: Zelle (Ursprung alles Lebens), Leben nach dem Tod?, die Willkür des eigenen Daseins. Appell: Der Zufall des eigenen Lebens?!

Die Abteilung „Erinnern, Denken, Lernen“ war für Anna besonders attraktiv. Folgende Objekte/ Inhalte suchte sie aus: das Gehirn eines an Schizophrenie Erkrankten, Angststörungen/ Phobien, Warm-Kalt-Spirale. Appell: Den Körper kennen und kennenlernen, auch in der Wissenschaft gibt es noch viele unerforschte Themenfelder!

Meine Führung fand im Raum „Bewegung“ statt. Ausgewählte Objekte: Wirbelsäule der Menschen, die Skoliose haben, eine gesunde Wirbelsäule, die Fehlstellungen unserer Füße. Zum Schluss haben wir den Zustand unserer Wirbelsäule getestet, indem wir uns auf einem dafür vorgesehenen Gerät weit nach vorn beugten. (Gratulation, alle haben bestanden!) Appell: Achtsamer Umgang mit unserem Körper!

Der Bereich von Flaurita war „Sexualität“. Sie präsentierte folgende Inhalte: der Einfluss des Geruchs auf die Sexualität, Schönheitsbilder, Silikon-Brustimplantate. Appell: Gesellschaftliche Konstruktionen von Schönheitsbildern!

Es war kein gewöhnlicher Museumsbesuch. Denn wir haben nach der Besichtigung noch einmal die Ausstellung mit den Augen eines anderen betrachtet; dabei manchmal mit der Betonung auf Objekte, die ich z. B. gar nicht besonders auffällig fand, aber die für den anderen wichtig waren. „Die Ausstellung als Nachricht, die vieldeutig interpretiert werden kann, weil wir einzigartig sind“, könnte unsere Führung heißen. Geschichten, die uns beeindruckt haben, hinterlassen lebhafte und oft emotional bewegende Vorstellungsbilder im Gedächtnis. Sie haben einen Einfluss auf unsere Einstellungen und Überzeugungen. Die Geschichte jenes Tages bildet keine Ausnahme. Danke schön, Susanne.

von Ljudmila Klochkova